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Art.Nr.: 50010

Zen & Zero

 Zen & Zero
 

Ein Film-Essay Damit fünf Österreicher drei Monate am Stück zum Wellenreiten kommen, braucht es einiges an Erfindungsgeist. Oder eine einfache Milchmädchenrechnung.

In Costa Rica, hieß es, ließen sich Offroader um das Doppelte ihres Preises in LA verkaufen. Mindestens. Man musste sie nur heil die 10000 Kilometer durch Mittelamerika bringen. Wir veranschlagten drei Monate für die Reise plus ein paar Momente für die Ewigkeit in den Wellen vor Mexiko, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica. Insgesamt eine ganze Menge Zeit, um in die Geheimnisse des Wellenreitens einzudringen. Unsere Ziele waren sowohl ökonomischer, sportlicher, als auch journalistischer Natur: Die Reise musste sich rentieren, soviel verlangte der Sportsgeist, unser surferisches Können sollte sich potenzieren. Drei Monate Trainingslager und am Ende sollte eine Geschichte herauskommen mit Pannen, Dramen und persönlich-philosophischen Entwicklungen.

Aufgrund seiner metaphorischen Vieldeutigkeit hat der Surfsport so etwas wie einen universellen Appeal. Kaum eine Sportart ist symbolisch so sehr in unser Alltagsbegriffsystem integriert wie das Wellenreiten. Das kommt schon allein daher, dass die Welle selber eine sehr allgemeines Konzept ist: Ein Phänomen, dessen Bedeutungsreichtum wir schon vom Mutterleib an verinnerlicht haben, egal, ob wir Berg-, Tal oder Küstenbewohner sind. Die Welle ist ein Fundamentalbegriff, seit Jahrtausenden in unserem kulturellen Gedächtnis vielfach verknüpft und tief verankert. So gesehen klingt es schon um einiges weniger absurd, dass ausgerechnet fünf Österreicher sich aufmachen, die Grammatik des Wellenreitens genauer zu erkunden: Wir, die Hans Moser der Weltmeere, folgten einem kulturanthropologischen Impuls. Nichts mehr als die Recherche der symbolischen Bedeutung eines Kultur -und Modebegriffs. A journey into the heart of the matter. Soviel Zeit muss sein. Dazu kam, dass sich bestimmte gebrauchte Autos anscheinend in Costa Rica um ein Vielfaches des Einstandspreises in Los Angeles verkaufen ließen, ein Umstand, der uns die Zeit für unsere ausgedehnten Studien an den Küsten Mittelamerikas kaufen sollte. Es war eine beschlossene Sache. Wir hatten es uns zur Aufgabe gemacht, dem Mythos des Surfens mit einer verfeinert-europäischen Begrifflichkeit beizukommen, mit einer musilischen Genauigkeit in Gefühlsangelegenheiten. Zwischen uns und unserem sowohl ökonomischen als auch journalistischem Ziel lagen 7000 Meilen Zentralamerika. Ein steiniger Weg, von den verwaisten Küsten Bajas, über Puerto Escondido, dem härtesten beach break der Welt, bis nach Pavones, to the end of the road. Dazu kamen die sublimen psychologischen Sensationen des Surfsports. Der Rhythmus des Ozeans und der Natur würde den Takt zu unseren Untersuchungen angeben, deren Ergebnisse in Summe, so hofften wir, philosophischer und allgemeingültiger Natur sein würden. Der amerikanische Surfliterat Allan Weisbecker sollte uns dabei behilflich sein. Am Ende des Weges, in Costa Rica, trafen wir den Mann, der den Mythos des Surfer-Dudes gelebt hat: In den 60ern verkaufte er Gras, um im Wasser bleiben zu können, später schrieb er ein Buch über sein Leben, in Surfer-Kreisen mittlerweile ein Standard. Weisbeckers Memoiren sind derart exemplarisch für das Leben eines surf outlaws, dass seine Lebensgeschichte mit Sean Penn in der Hauptrolle erst kürzlich verfilmt wurde und demnächst in die Kinos kommen wird. (Regie führte übrigens “Dogtown and Z-Boys”-Regisseur Stacey Peralta). Wir hofften auf die Eloquenz des alten Meisters, auf ein paar tragfähige Zitate und Einsichten. Am Ende haben wir dann etwas ausgemacht, das schon von Anfang an offen vor unseren Augen lag, und das wir dann dennoch rein zufällig entdeckten: Wir hatten unser Unternehmen immer schon ein Nullsummenspiel genannt. Wir besuchten die Ruinen der Mayas, einer Zivilisation, die lange vor dem Abendland den Begriff der Null mathematisch und philosophisch integrierte. Wir trafen Allan Weisbecker, den Autor eines Buches mit dem Namen “In Search of Captain Zero”. Wir lebten drei Monate lang auf Meereshöhe, on sea level, auf der Suche nach einem psychologischen Moment, der im Extremsport auch als der “absolute Nullpunkt” bezeichnet wird. Nichts ist nicht Nichts, sondern der Mangel an Etwas: An unfinished feeling.

Text: Michael Ginthör Protagonisten und Crew Michael Ginthör sich selbst Buch und Regie Philipp Manderla sich selbst Buch und Produktion Jakob Polacsek sich selbst Coproduzent und Still Photography David Auerbach sich selbst Kamera Edwin Steinitz sich selbst Schnitt, zweite Kamera Herwig Maurer Musik und Sounddesign Allan Weisbecker sich selbst Pablo Postigo sich selbst Markus Schalek sich selbst Production Facts Format: feature documentary

Länge: 61 minuten
Sprache: Englisch, Deutsch, Spanisch
Shot on location in: USA, Mexico, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica



   

Zen & Zero - 21,90 EUR


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